Luftsprache

Arbeitstage zur Therapeutischen Sprachgestaltung 2008



Vortrag von Dr. Serge Maintier am 25.10.2008



Die „Luftlautströmungsformen“ der Sprache im Atem: morphodynamisch-
akustische Untersuchungen.(mit Filmvorführung aus seiner Doktorarbeit)



In der heutigen Sprachwissenschaft wird immer mehr eingesehen, dass die Sprache einen gestischen
Ursprung hat. Die Laute, die Silben, die Worten sind umgewandelte Bewegungsabläufe, besser
gesagt und im Sinne Rudolf Steiners, Luftgebärde. Sowohl für Eurythmist-innen als für Schauspieler,
aber auch für Ärzte und Lehrer betont Rudolf Steiner die Wichtigkeit des Durchfühlens des Lautlichen
und gibt dabei Beispiele von Luftgestalten für bestimmte Laute und Worte. ( Lauteurythmiekurs:
25.6.21, Dramatischer Kurs :21.September 24.)Diese Untersuchungen haben nicht direkt mit den
therapeutischen Anwendungen oder Auswirkungen der Laute zu tun, aber mit der Quelle, aus welcher
wir schöpfen, nämlich das immer zu vertiefende Wesen der Sprache, des Wortes selbst und durch
dieses das Erforschen -praktisch- künstlerisch - des Luft- und Atemmenschen.

Das Thema, das Dr. Serge Maintier im Fach Sprachwissenschaft, Bereich Phonetik, an der Uni
Besançon (F), zu seiner Doktorarbeit machte, ist: Die Luftlautformen der Sprache (External phonatory
turbulences, wissenschaftlich ausgedrückt! Auf Deutsch: Äussere sprachliche Wirbelungen). Beitrag
zu ihrem Nachweiss und morphodynamische und akustische Analysen. Die Forschungsarbeit wurde
am 20.12.2007 mit grosser Anerkennung und mit Auszeichnung sowohl von den Strömung-
wissenschaftlern als von den Linguisten aufgenommen.

Das Buch Die Luftlautformen sichtbar gemacht*, aus dem Nachlass Johanna Zinkes ist bekannt.
Maintier hat die Forschungsergebnisse von Frau Zinke nachgeprüft und systematisch-phonetisch
erweitert. Was bei Maintiers Forschung neu ist und Bedingung zum Ernstnehmen dieser Luftlaut-
formen ist: die Korrelation zwischen dem Luftlautstromverhalten und dem Klangbild des Lautes,
genau, der Silben, als Urzellen der Sprache. Dazu war die enge Zusammenarbeit mit Strömung-
wissenschaflern nötig, besonders mit François Lusseyran, dem Bruder des berühmten Blinden und
Widerstandskämpfers Jacques Lusseyran. Maintier hat mit Laserlicht und Hochgeschwindig-
keitskamera gearbeitet und eine arbeitswendige, minutiöse 1/100 Sekunde Analyse durchgeführt.
Parallel dazu hat er andere Forschungen zum Thema „Sprache und Bewegung“ sowie "Luftwirbel und
Klangerzeugung" gesammelt.

Denn darum geht es: Die Luftlautformen sind höchstkomplexe, bis heute in der Wissenschaft noch
nicht ganz verstandene Prozesse. Sie gehören zum Gebiet der Chaosforschung, insbesondere des
relativ jungen Physikzweiges der Luftakustik. Durch ihre chaotischen Binnenstrukturen ermöglichen
sie schöpferische, freie Prozesse: Wenn wir sprechen schaffen wir Formen in einem Ungeformten, in
einem chaotischen Wirbelungsmedium, nämlich der Luft: Sprechen ist eine chaotische Ordnung, um
den Ausdruck des Biophysikers Prof. Boris Rybak zu benützen, der einige dieser Luftlautformen in
den 80er Jahren auch sichtbar gemacht hat, aber nicht weiter erforscht hatte. Maintier hat sich mit
diesem 83jährigen Forscher noch einige Male vor dessen Tod 2003 austauschen können.

R.Steiners Hinweise zur Form des ausgesprochenen Lautes in der Luft, zu den Luftgebärden beim
Sprechen, wurden durch Dr. S. Maintier voll nachgewiesen. Dabei hat er auch die Pionierarbeit
J.Zinkes bestätigt, die zu ihrer Lebzeit von anthroposophisch orientierten Wissenschaftlern
abgewiesen wurde. Sie war eben keine „Fachfrau“, aber sie hat treu und mit Bienenfleiss viele wichti-
ge, richtige Beobachtungen gemacht, die Maintier überprüfen konnte.



Vieles ist noch in diesem mikrokosmischen Schöpfungsprozess der Sprache und des Sprechens zu
entdecken! S.Maintier arbeitet da schon weiter. Immerhin verlangt R.Steiner eine wissenschaftliche
Vertiefung bei den Künstlern und eine künstlerische bei den Wissenschaftlern!



* Johanna F.Zinke: Luftlautformen sichtbar gemacht (Dr. R. Patzlaff, Hrsg.) ,Verlag Freies
Geistesleben (2001,2002)

Die Doktorarbeit besteht aus einem DVD Film von 1St.30 und ein CD-ROM (390 Seiten, alles noch auf
Französisch!).Die Arbeit wurde im Rahmen des IPSUM-Instituts(Stuttgart) stark unterstützt. Für
Spenden mit dem Ziel einer deutschen Publikation sind wir dankbar.

Dr.Serge Maintier lebt z.Zt. in Freiburg: seriocha@wanadoo.fr

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